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Stand: 22.03.2016

Pressemitteilung

“Jeder Tag ist ein Überraschungsei“

Michaela AndreMichaela AndreCaritasverband Speyer / Andrea Daum

"Der ständige Wandel - das ist für mich eine Herausforderung, die mich reizt. Deshalb wollte ich gerne diese Leitungsstelle haben." Michaela Andre (41) ist seit Anfang März die neue Einrichtungsleiterin des Caritas-Förderzentrums Vinzenz von Paul in Pirmasens. Sie folgt auf Peter Martin, der zum 1. Januar in das Caritas-Förderzentrum St. Rafael in Altleiningen gewechselt ist.

"Ich fühle mich unserer Einrichtung besonders verbunden, denn ich durfte vor 18 Jahren bei der Gründung des Förderzentrums dabei sein. Wer hat schon die Chance, bei der Geburt eines solchen Hauses dabei zu sein? Das ist ein seltenes Glück",  erzählt Michaela Andre. Als das Förderzentrum im Jahr 2000 zum ersten Mal seine Türen öffnete, hatte es zwei Mitarbeiter: den damaligen Einrichtungsleiter Thomas Müller von Klingspor und Michaela Andre. "Damals hat sich die Eröffnung durch Verzögerungen bei den Bauarbeiten verschoben, so dass wir die Zeit damit verbringen konnten, Einrichtungsgegenstände und Arbeitsmaterial auszuwählen und das Konzept im Detail zu erarbeiten", erinnert sie sich. "So war ich also quasi nicht nur bei der Geburt der Einrichtung dabei, sondern sogar noch während der Schwangerschaft." Damals starteten die zwei Pioniere mit fünf Kunden. "Heute haben wir 110 Kunden. Davon besuchen 40 die Tagesstätte, die anderen betreuen wir ambulant. Die Kunden von Vinzenz von Paul sind Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

Michaela Andre hat ihr gesamtes bisheriges Berufsleben in diesem Haus verbracht. "Ich habe nach dem Abitur an einem Landstuhler Gymnasium Sozialpädagogik in Mainz studiert und das hier war meine erste Stelle." Sie hatte mehrere Stellenangebote, hat sich aber bewusst für die Arbeit mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen entschieden. "Für mich ist das ein Traumberuf. Jeder Tag ist ein Überraschungsei. Man kann sich vieles vornehmen, aber dann passiert etwas ganz anderes. Es wird nie langweilig. Mich reizt die tägliche Herausforderung, mit spontanen Anforderungen umzugehen", beschreibt Andre ihre Motivation.

Die Arbeit habe sich in den vergangenen 18 Jahren auch stark verändert: "Anfangs gab es ja die Tagesstätte und kurz darauf das betreute Wohnen. Heute haben wir sehr viele Kunden, die wir ambulant begleiten." Auch die Beeinträchtigungen der Kunden waren damals noch andere: "Es waren sehr eindeutige Formen der psychischen Beeinträchtigungen, Schizophrenien, Psychosen, Depressionen. Heute haben wir fast nur noch Kunden mit Doppeldiagnosen und sehr komplexen Erkrankungen." Das mache es nötig, dass die MitarbeiterInnen sich ständig fortbilden, weil die Arbeit viel anspruchsvoller geworden sei. "Auch das Thema Suchterkrankungen müssen wir angehen. Wir müssen damit umgehen, dass viele Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auch suchtkrank sind."

Es fallen ihr eine ganze Menge Themen ein, die die Arbeit verändert haben: "Vor 18 Jahren waren soziale Medien noch kein Thema. Da hatten viele unserer Kunden Konflikte und Krach in der Familie. Heute zoffen sie sich über Social Media-Kanäle und das belastet zusätzlich. Der Umgang mit diesen Kommunikationsmöglichkeiten muss erlernt werden, Assistenz ist auch dabei nötig." Das sei auch wieder ein neues Feld. "Es tut sich immer was", freut sie sich.

Eine große Herausforderung für die Einrichtung und die frischgebackene Leiterin ist vor allem auch der demnächst anstehende Umzug in ein neues Gebäude in der Pirmasenser Innenstadt. "Der Umzug wiederum geht auch einher mit einem Ausbau  unseres Angebotes. Wir werden für die konzeptionelle Ausweitung unseres Arbeitstrainingsbereiches einen Laden mit einer Dienstleistung eröffnen, um unsere Kunden fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt." Und natürlich werde die Umsetzung des neuen Bundesteilhabegesetzes das Förderzentrum beschäftigen.

Das alles ist Michaela Andre aber noch nicht genug. "Ich werde noch eine zusätzliche dialektisch-behaviorale Therapie-Ausbildung machen, denn wir wollen demnächst eine so genannte Skills-Gruppe eröffnen. Das ist ein Angebot der Verhaltenstherapie für Patientin mit Suizidgedanken und Menschen mit Borderline-Störungen." Zwei Mitarbeiterinnen seien schon in der Fortbildung. Michaela Andre wird sie demnächst in Angriff nehmen.

Auch privat sucht sie immer neue Herausforderungen bei ihrem Hobby Musik. "Ich lerne gerade Geige. Das ist das schwierigste Instrument, was ich bisher gelernt habe", lacht sie. Die Geige ist das sechste Instrument, das sie spielen lernt. "Ich spiele Querflöte, Gitarre, Oboe, Piccolo-Flöte und die Tin-Wizzle, das ist eine irische Blechflöte", zählt sie auf. Und natürlich spielt sie in einer Band. Aber auch die Familie kommt nicht zu kurz. Michaela Andrea ist verheiratet und hat zwei Kinder, eine 15-jährige Tochter und einen 13-jährigen Sohn. "Es ist noch nicht peinlich, etwas mit den Eltern zu unternehmen. Sie kommen noch gerne mit zu Unternehmungen, Wanderungen und Spaziergängen. Sogar Konzerte können wir gemeinsam besuchen, der Musikgeschmack passt noch zusammen", freut sie sich.

Text und Foto: Melanie Müller von Klingspor für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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